Führerschein da, Lust auf einen eigenen Laden, keine Ahnung wo anfangen? Der Einstieg als Kurierfahrer ist unbürokratischer, als die meisten denken. Hier steht, was du wirklich brauchst, was es kostet und wie du an die ersten Aufträge kommst.

Die Kurzfassung: Klasse B reicht. Eine Güterkraftverkehrserlaubnis brauchst du bis 3,5 Tonnen nicht. Das Gewerbe kostet in Hamburg 25 Euro. Der Transporter frisst dein ganzes Budget, und die Versicherungen entscheiden darüber, ob ein einziger Schaden dich umwirft.

Brauchst du eine Lizenz?

Mit dem Führerschein Klasse B darfst du Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht fahren, also den klassischen Kurier-Transporter. Erst darüber brauchst du C1 (bis 7,5 t) oder C.

Und die gute Nachricht zur Erlaubnis: Für gewerbliche Transporte im Inland mit Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen inklusive Anhänger brauchst du keine Güterkraftverkehrserlaubnis. So steht es in § 2 Absatz 1 Nummer 10 GüKG.

Zwei Ausnahmen musst du kennen:

  • Über 3,5 Tonnen: Güterkraftverkehrserlaubnis, im EU-Verkehr die Gemeinschaftslizenz.
  • Grenzüberschreitend schon ab 2,5 Tonnen: Seit dem EU-Mobilitätspaket vom Mai 2022 brauchst du dafür eine Gemeinschaftslizenz.

Für den Start als Kurier in Hamburg, mit einem Transporter bis 3,5 Tonnen im Inland, gilt also: genehmigungsfrei.

Welche Rechtsform passt zum Start?

Du entscheidest dich nicht für die Ewigkeit. Wechseln geht später jederzeit. Vier realistische Optionen:

  • Einzelunternehmen: Kein Startkapital, kein Notar, kein Handelsregister. Eine Gewerbeanmeldung und du bist Unternehmer. Dafür haftest du mit deinem Privatvermögen.
  • GbR: Dasselbe, nur zu zweit oder zu dritt. Schreibt einen Gesellschaftsvertrag, auch wenn ihr Freunde seid. Ihr haftet gemeinsam und jeder voll.
  • UG (haftungsbeschränkt): Haftung auf das Firmenvermögen begrenzt, ab 1 € Stammkapital. Dafür Notar, Handelsregister und deutlich mehr Buchhaltung.
  • GmbH: 25.000 € Stammkapital, Bilanzpflicht. Sinnvoll, wenn du mehrere Fahrzeuge und Angestellte hast, nicht an Tag eins.

Kleinunternehmer, ja oder nein?

Seit 2025 giltst du als Kleinunternehmer nach § 19 UStG, wenn dein Umsatz im Vorjahr unter 25.000 € und im laufenden Jahr unter 100.000 € bleibt. Dann schreibst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer.

Klingt bequem, ist für Kurierfahrer aber meist ein Verlustgeschäft. Du bekommst die Vorsteuer auf Transporter, Sprit und Reparaturen nicht zurück. Und deinen Geschäftskunden ist die Umsatzsteuer auf deiner Rechnung egal, die ziehen sie ohnehin wieder ab. Rechne beides einmal mit einem Steuerberater durch, bevor du im Fragebogen ein Kreuz setzt.

In fünf Schritten zum eigenen Kurierbetrieb

Fünf Schritte zur Gründung: Gewerbe, Finanzamt, BG Verkehr, Fahrzeug, erster Auftrag

So sieht eine Gründung in Hamburg konkret aus. In anderen Städten heißen die Ämter anders, die Reihenfolge bleibt gleich.

  1. Gewerbe anmelden. Formular GewA 1, online über den HamburgService oder beim Bezirksamt. 25 € Gebühr, den Gewerbeschein hast du oft am selben Tag.
  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Der kommt nicht automatisch, du musst ihn innerhalb eines Monats selbst über ELSTER abgeben. Danach bekommst du deine Steuernummer.
  3. Bei der BG Verkehr melden. Die gesetzliche Unfallversicherung ist Pflicht, Anmeldung innerhalb einer Woche nach Start. Das Gewerbeamt meldet dich zwar weiter, das ersetzt deine eigene Anmeldung aber nicht.
  4. Transporter zulassen und versichern. Kfz-Haftpflicht, dazu Betriebs- und Frachtführerhaftpflicht.
  5. Konto und Rechnungen. Getrenntes Geschäftskonto, saubere Rechnungsvorlage. Ab jetzt kannst du Aufträge annehmen.

Die Handelskammer Hamburg meldet sich von allein, Mitglied bist du automatisch. Als Gründer bist du unter bestimmten Voraussetzungen in den ersten Jahren beitragsbefreit, das klärst du direkt dort. Ins Handelsregister musst du als Kleingewerbe nicht. Wenn du schon ein Gewerbe hast und nur umziehst, hilft dir unser Ratgeber zur Gewerbe-Ummeldung in Hamburg weiter.

Was der Papierkram kostet

Stand Juli 2026:

PostenKostenDauer bzw. Frist
Gewerbeanmeldung (GewA 1)25 €oft sofort
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung0 €Frist: 1 Monat
Anmeldung BG Verkehr0 €Frist: 1 Woche
Handelskammer HamburgPflichtmitgliedschaftautomatisch
Handelsregister (Kleingewerbe)entfällt

Was der Start wirklich kostet

Die Behördenseite ist der günstige Teil. Der Transporter frisst fast das ganze Budget, alles andere ist Kleingeld dagegen.

PostenRealistische Spanne
Gebrauchter Transporter (Sprinter, Ducato, Crafter)8.000 – 25.000 €
Zulassung und Kennzeichen60 – 150 €
Ausrüstung: Zurrgurte, Sackkarre, Decken, Warnweste200 – 600 €
Versicherungen im ersten JahrAngebote vergleichen
Rücklage für Reparatur und magere Monateab 2.000 €

Unterm Strich landest du realistisch bei 10.000 bis 30.000 €. Mit einem sehr günstigen Gebrauchten geht es auch darunter, dann steigt aber dein Pannenrisiko, und ein Transporter in der Werkstatt verdient nichts.

Fast niemand startet mit einem Neuwagen. Ein gepflegter Gebrauchter mit Scheckheft und trockenen Radläufen ist einem billigen Wagen ohne Historie immer vorzuziehen. Achte auf Rost, Kupplung, Bremsen und darauf, dass die Laufleistung zum Baujahr passt.

Diese Versicherungen brauchst du

Drei Versicherungen für Kurierfahrer: Kfz-Haftpflicht, Frachtführerhaftpflicht, Betriebshaftpflicht

  • Kfz-Haftpflicht ist gesetzliche Pflicht, dazu je nach Fahrzeugwert Teil- oder Vollkasko. Das ist dein größter Versicherungsposten.
  • Frachtführerhaftpflicht deckt Schäden an der Ladung, die du transportierst. Unter 3,5 Tonnen ist sie nicht gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis aber Pflicht: Auftraggeber wie TRUXI verlangen sie.
  • Betriebshaftpflicht greift bei Schäden, die du bei Dritten anrichtest. Der zerkratzte Hausflur, die umgeworfene Vase.
  • Kranken- und Altersvorsorge zahlst du als Selbstständiger komplett selbst. Plan das von Tag eins ein, nicht erst wenn der erste Bescheid kommt.

Warum die Frachtführerhaftpflicht so wichtig ist: Als Frachtführer haftest du nach § 431 HGB gesetzlich für Verlust und Beschädigung des Guts, begrenzt auf 8,33 Sonderziehungsrechte je Kilogramm. Genau diese Haftung deckt die Police ab. Wie das bei uns geregelt ist, steht auf unserer Seite zu Versicherung und Haftung.

Richtig kalkulieren, damit etwas übrig bleibt

Der häufigste Grund, warum Kurierfahrer nach zwei Jahren wieder aufhören, ist kein fehlender Auftrag. Es ist ein Preis, der die eigenen Kosten nie gedeckt hat. Bevor du deinen Stunden- oder Kilometersatz festlegst, rechnest du vier Dinge zusammen:

  1. Fixkosten pro Monat: Versicherungen, Kfz-Steuer, Kreditrate oder Abschreibung, Handy, Steuerberater.
  2. Echte Kosten pro Kilometer: nicht nur Sprit. Reifen, Öl, Wartung und Wertverlust gehören dazu. Wer nur den Sprit rechnet, verkauft sich unter Wert.
  3. Verrechenbare Stunden: Leerfahrten, Warten, Büro, Urlaub und Krankheit bezahlt dir niemand. Von deiner Arbeitszeit ist deutlich weniger fakturierbar, als du denkst.
  4. Puffer für Steuer und Vorsorge: Leg von jedem Euro grob 30 bis 40 Prozent zur Seite. Die erste Steuernachzahlung kommt garantiert.

Fünf Fehler, die richtig Geld kosten

  • Zu billig anbieten, weil nur der Sprit kalkuliert wurde.
  • Steuerrücklage vergessen und im zweiten Jahr böse überrascht werden.
  • Nur ein Auftraggeber. Weisungsgebunden für eine einzige Firma fahren ist Scheinselbstständigkeit, die Nachzahlungen an die Sozialversicherung tun weh. Arbeite für mehrere Kunden.
  • Fristen verpassen: BG Verkehr eine Woche, Finanzamt einen Monat.
  • An der Ladungssicherung sparen. Ein Gurt kostet 8 €, ein Möbelschaden vierstellig.

Und die ersten Aufträge?

Der schwierigste Teil der Selbstständigkeit ist nicht das Amt, es sind die ersten Kunden. Genau da kommen wir ins Spiel.

TRUXI fährt in Hamburg Möbeltransporte, Umzüge und Same-Day-Lieferungen und sucht laufend zuverlässige Partnerfahrer mit eigenem Transporter. Du bekommst Touren über unsere Disposition, wir kümmern uns um Marketing und Kundenanfragen. Bezahlt wird leistungsgerecht, und selbstständig bleibst du: Du entscheidest, welche Aufträge du annimmst.

Was du dafür brauchst, ist genau das, was oben steht. Angemeldetes Gewerbe, Frachtführerhaftpflicht, Betriebshaftpflicht und ein verkehrssicheres Fahrzeug.